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Ein Werk aus Geldern der Carl Friedrich von Siemens Stiftung

27.05.2026

Alexandra Buhlers Zoroastrianism in India and Iran ist kein Buch über Zoroastrismus im klassischen Sinne, es ist ein Buch über die Macht der Erinnerung, die Komplexität der Diaspora und die Politik der Identität.

Im 19. Jahrhundert emigrierten zahlreiche Zoroastrier aus dem Iran nach Indien. Die Verbindungen zwischen den Parsi (Zoroastrier aus Persien) in Indien und den iranischen Zoroastriern sind seit langem bekannt, doch ihre sich verändernde Dynamik blieb bislang unerforscht. Buhler untersucht die Beziehung zwischen beiden zoroastrischen Gemeinschaften im späten Qajar- und frühen Pahlavi-Regime, einer Zeit, in der Kolonialismus und Nationalismus die Welt veränderten. Sie zeigt, wie die Parsi in Indien dabei eine aktive Rolle bei der Gestaltung der iranischen Zoroastrier-Identität spielten: Sie leisteten Wohltätigkeit, pflegten historische Narrationen und engagierten sich politisch für ihre „ancestral homeland“. Besonders eindrücklich ist ihre Analyse der britischen Rolle. Die Briten nutzten die Parsi nicht nur als Mittler, sondern unterstützten ihre patriotischen Gefühle gegenüber dem Iran als Teil einer geopolitischen Strategie. Buhler zeigt, wie Identität nicht nur von innen, sondern auch von außen geformt wird.

Mit dem Begriff der „political identity“ geht die Studie über die klassische Religionsgeschichte hinaus. Sie zeigt, wie Glaube, Geschichte und Politik sich wechselseitig beeinflussen und wie die Zoroastrier in beiden Ländern nicht nur Glaubensgemeinschaften waren, sondern auch aktive Akteure in der politischen Landschaft.

Ein besonderer Höhepunkt ist die Analyse der iranischen Verfassungsrevolution (1906–1911) und der Verherrlichung der vorislamischen Vergangenheit. Buhler zeigt, wie diese Ereignisse die Parsi beeinflussten und ihre eigene Identität neu definierten. Diese Entwicklung fand ihren Höhenpunkt in der staatlichen Nationalismus Ideologie Reza Schahs (1925-1941), dem Gründer der Pahlavi-Dynastie im Iran.

Mit klarer Sprache und fundierter Quellenarbeit ist dieses Buch eine wichtige Lektüre für alle, die sich mit Religion, Identität, Migration und politischer Geschichte beschäftigen. Es ist ein Meilenstein in der Forschung zu Migration, Diaspora und transnationaler Identität und ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Erinnerung, Geschichte und Politik ein sich gegenseitig prägendes Netzwerk bilden.

Weitere Informationen

Dr. Helen Younansardaroud, Campusbibliothek der Freien Universität Berlin, Fachreferat Altertum, Religionen, Westasien und Nordafrika/Diaspora, E-Mail: heleny@zedat.fu-berlin.de