Kiosk-Sammlung Robert Lebeck: 37.000 Zeitschriftenhefte dokumentieren die Geschichte der Fotoreportage
Herkunft und Bedeutung der Sammlung
Im September 2025 konnte die Universitätsbibliothek nach mehrjährigen Bemühungen eine Sammlung an Illustrierten- und Reportagenzeitschriften übernehmen. Die Sammlung gehörte ursprünglich dem 2014 verstorbenen deutschen Fotojournalisten und Sammler Robert Lebeck, der insbesondere durch seine Reportagen im Magazin Stern in den 1960er und 1970er Jahren bekannt wurde. Lebeck zählt heute zu den bedeutendsten Nachkriegsfotografen. Er fotografierte unter anderem Konrad Adenauer, Joseph Beuys, Willy Brandt, Maria Callas, Jackie Kennedy, Herbert von Karajan, Papst Paul VI. und Billy Wilder – um nur einige Prominente zu nennen. Zu seinen populärsten Werken gehören Fotografien der Schauspielerin Romy Schneider aus den 1980er Jahren. 2018 erschien der Spielfilm 3 Tage in Quiberon, der u. a. die Entstehung der Lebeck-Fotos von Romy Schneider thematisiert.
Bestand, Sprachen und Besonderheiten
Neben seiner Tätigkeit als Fotograf war Lebeck ein leidenschaftlicher Sammler historischer Fotografien sowie von Illustrierten und Fotozeitschriften. Letztere – seine ca. 37.000 Einzelhefte umfassende Sammlung von Kiosk-Zeitschriften, also Zeitschriften, die in der Regel an Kiosken erhältlich waren – befinden sich nun in der Universitätsbibliothek.
Die Kiosk-Sammlung Robert Lebeck dokumentiert die Geschichte der Fotoreportage sowie deren Vorläufer über einen Zeitraum von mehr als 150 Jahren; das älteste Heft stammt aus den 1830er Jahren und das jüngste aus dem ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. Obwohl der Schwerpunkt auf deutsch-, englisch- und französischsprachigen Zeitschriften liegt, sind auch Hefte in anderen Sprachen zu finden, etwa Dänisch, Italienisch, Japanisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch und Tschechisch. Darunter befinden sich auch seltener vorkommende Stücke, wie Hefte der Zeitschrift СССР на стройке (UdSSR im Bau) aus der frühen Sowjetunion.
Erhaltungszustand und Zugänglichkeit
Aktuell ist die Sammlung eingelagert und im momentanen Zustand nicht gut benutzbar. Um dies zu erreichen, stehen noch mehrere Schritte an. Der allgemeine Erhaltungszustand der Sammlung wurde bereits gesichtet; er ist insgesamt gut. Allerdings muss über eine archivische Neuverpackung der Sammlung nachgedacht werden. Vorhandene Kartons entsprechen nicht dem notwendigen bestandserhalterischen Standard und erschweren die Nutzung der darin verpackten Zeitschriftenhefte. Eine große Herausforderung dabei ist, keine der zahlreichen Provenienzspuren zu verwischen, die Robert Lebeck selbst in den Heften hinterlassen hat. Letztere müssen dokumentiert werden. Bereits bevor die Einarbeitung beginnt, soll die Sammlung auf Nachfrage interessierten Forscherinnen und Forschern zugänglich gemacht werden. Denn der Nachweis der einzelnen Hefte sowie die Dokumentation und Sicherung der Provenienzspuren können mehrere Jahre dauern.
Die Zeitschriften waren für mehrere Jahre eingelagert und nicht zugänglich. Durch unsere Arbeit wird sich dies ändern.
Weitere Informationen
Dr. Ringo Narewski, Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin, Leitung Bestandserhaltung, E-Mail: narewski@ub.fu-berlin.de
