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Arbeitsstelle Provenienzforschung an der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin

Wie bereits im Juli 2024, konnte die UB im November 2025 ein weiteres Buch aus der Bibliothek des Theaterkritikers, Journalisten und Schriftsteller Alfred Kerr (1867-1948) an die Akademie der Künste Berlin, welche die aufgefundenen Bücher seiner Bibliothek verwalten, restituieren.

Neben seiner schriftstellerischen Arbeit bezog Alfred Kerr ab 1920 bis zum Sommer 1932 in seinen pointierten Glossen für den Berliner Rundfunk Stellung gegen die Nazis, ihren Größenwahn, ihre Brutalität und die Kriegstreiberei.

Am 10. Mai 1933 wurden seine Werke von den Nationalsozialisten verbrannt; der Vorstand des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler setzte ihn auf die Liste der Autoren, deren Werke „für das deutsche Ansehen als schädigend zu erachten seien“. Seine Bücher wurden umgehend aus den öffentlichen Bibliotheken ausgesondert.

Er ahnte, was ihm bevorstehen würde und floh bereits im Februar 1933 über Prag in die Schweiz. Seine Familie folgte ihm im März. Nach Stationen in Zürich und Paris, gelangte die Familie 1935 nach London. 1947 wurde er britischer Staatsbürger. Alfred Kerr starb während einer Vortragsreise durch Deutschland am 12. Oktober 1948 in Hamburg. Er ist der Vater der Illustratorin und Autorin Judith Kerr (1923-2019), welche durch ihr Buch „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ bekannt wurde.

Die digitale Wanderausstellung: Gedenken und Erinnern erzählte exemplarisch von den Schicksalen der Menschen, deren Bücher während der NS-Zeit beschlagnahmt oder enteignet wurden, und erforscht die Herkunft dieser geraubten Werke. Sie gab zugleich Einblicke in die Arbeit der Arbeitsstelle Provenienzforschung. Die Ausstellung wurde auf eine Videostele in allen Bibliotheken der Freien Universität Berlin gezeigt.

Teil der Präsentation war die Lichtinstallation: Fragmented Fates. Sie warf einen Blick auf die zersplitterten Schicksale von Menschen, deren Leben durch die brutale Gewalt der NS-Diktatur in unzählige Bruchstücke zerbrochen wurden. Diese Fragmente, die sich in den Besitzvermerken von Büchern manifestieren, sind stumme Zeugen für verlorenes Leben, existenzielle Verluste und vergessene Geschichten.

Weitere Informationen

Dr. Ringo Narewski, Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin, Leitung Arbeitsstelle Provenienzforschung, E-Mail: narewski@ub.fu-berlin.de