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Schader-Preis 2026 für Historiker Prof. Dr. Sebastian Conrad

Auszeichnung würdigt Forschungsbeiträge zu Globalisierung, Nationalstaatsbildung, deutscher Erinnerungskultur und Postkolonialismus

Nr. 072/2026 vom 10.06.2026

Der Professor für Neuere Geschichte an der Freien Universität Berlin, Prof. Dr. Sebastian Conrad, ist am Dienstagabend (9. Juni) von der Schader-Stiftung mit dem Schader-Preis 2026 ausgezeichnet worden. Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung ehrt Gesellschaftswissenschaftlerinnen und Gesellschaftswissenschaftler, die mit ihrer wegweisenden wissenschaftlichen Arbeit und durch ihr vorbildliches Engagement einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Probleme geleistet haben.

Der FU-Historiker Sebastian Conrad wurde für seine Forschungen zu wichtigen gesellschaftlichen Debatten mit dem Schader-Preis 2026 ausgezeichnet.

Der FU-Historiker Sebastian Conrad wurde für seine Forschungen zu wichtigen gesellschaftlichen Debatten mit dem Schader-Preis 2026 ausgezeichnet.
Bildquelle: Martin Funck

„Sebastian Conrad hat mit seiner Forschung die gesellschaftlichen Debatten in Deutschland und international maßgeblich geprägt“, begründete Prof. Dr. Dorothea Kübler, Sprecherin des Senats der Schader-Stiftung, die Auszeichnung des FU-Historikers. Seine Arbeit als Globalhistoriker, der sich intensiv mit der Geschichte des Kolonialismus befasst hat, „hat unser Verständnis des Verhältnisses von Globalisierung und Nationalstaatsbildung erweitert“. Weiterhin hob der Stiftungssenat Conrads Beitrag zur Frage der deutschen Erinnerungskultur nach 1989 vor und wies lobend auf seine Beiträge zum Postkolonialismus hin: „Conrad hat darin mit einer klaren Sprache zu einer Versachlichung der Debatten beigetragen.“

Sebastian Conrad, der neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit in Forschung und Lehre auch als renommierter Sachbuchautor tätig ist, betonte in seiner Preisträgerrede: „Demokratie ist etwas, das wir gemeinsam auf der Tagesordnung haben müssen.“ Geschichte sei in Deutschland so präsent wie lange nicht mehr: „Geschichte ist ins Zentrum der öffentlichen Debatte gerutscht und zur Münze in der öffentlichen Auseinandersetzung geworden“, so der FU-Forscher. Neben einem großen Interesse an historischer Einordnung sehe er aber auch eine zunehmende Polarisierung des öffentlichen Diskurses. Gerade für Historikerinnen und Historiker sei es deshalb essenziell, dieser Aufladung eine Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven entgegenzusetzen. Das gelte auch für zwei Themenfelder, die gegenwärtig stark in der Diskussion stehen: die Geschichte der Globalisierung und des Kolonialismus. „Vor allem die Kolonialgeschichte ist zu einer Projektionsfläche geworden, auf der die mit der Globalisierung verbundenen Ungleichheiten stellvertretend verhandelt werden. Zugleich reicht sie tief in die deutsche Erinnerungskultur und Geschichtspolitik hinein.“

Über den Preisträger

Seit 2010 hat Sebastian Conrad den Lehrstuhl für Neuere Geschichte an der Freien Universität Berlin inne. Sein Schwerpunkt liegt im Feld der Globalgeschichte, zu seinen besonderen Interessen gehören politische und kulturelle Zirkulationsprozesse sowie die Geschichte von Kolonialismus und Postkolonialismus. Er hat sich mit Fragen des Staates und der Herrschaft vor allem im Rahmen der Geschichte des Kolonialismus und des Imperialismus beschäftigt.

Zuvor war er als Professor für Geschichte am Europäischen Hochschulinstitut Florenz tätig, arbeitete als Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, als Gastprofessor an der École des Hautes Études in Paris und war Gastwissenschaftler an der University of California, Santa Barbara. Im Frühjahr 2017 hatte er den Theodor-Heuss-Lehrstuhl an der New School in New York inne.

An der Freien Universität Berlin leitet Sebastian Conrad den Master-Studiengang „Global History”, einen gemeinsamen Studiengang der FU und der Humboldt-Universität zu Berlin, und ist Sprecher des Graduiertenkollegs „Global Intellectual History”. Er ist gewähltes Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Academia Europaea. 2024 war er für sein Buch „Die Königin. Nofretetes globale Karriere“ für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert. Er ist Mitglied der Redaktion von Geschichte und Gesellschaft, von Past & Present (2012-2019), von Modern Intellectual History und von Esboços: histories in global contexts. Zusammen mit Stefanie Gänger, Valeska Huber und Margrit Pernau ist er Herausgeber der Buchreihe Globalgeschichte.

Über den Schader-Preis

Die Preisverleihung für den Schader-Preis 2026 fand am 9. Juni in Darmstadt statt. Verliehen wurde die Auszeichnung vom Senat der Schader-Stiftung, dem die Preisträgerinnen und Preisträger der vergangenen Jahre angehören: Prof. Dr. Martina Löw (2025), Prof. Dr. Silja Häusermann (2024), Prof. Dr. Steffen Mau (2023), Prof. Dr. Lisa Herzog (2022), Prof. Dr. Armin Nassehi (2021), Prof. Dr. Dorothea Kübler (2020) und Prof. Dr. Christoph Möllers (2019). Mit der Verleihung des Schader-Preises gehört Sebastian Conrad dann sieben Jahre lang dem Senat der Schader-Stiftung an. Die Schader-Stiftung fördert seit 1988 den Dialog zwischen Gesellschaftswissenschaften und Praxis. (cxm)

Weitere Informationen

Kontakt

  • Prof. Dr. Sebastian Conrad, Freie Universität Berlin, Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften, Friedrich-Meinecke-Institut, E-Mail: sebastian.conrad@fu-berlin.de
  • Dr. Stella Lorenz, Wissenschaftliche Referentin, Kommunikation, Schader-Stiftung, E-Mail: lorenz@schader-stiftung.de, Tel.: +49 6151/1759-17