Der Ball rollt auf den Campus
Ein Team am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft veranstaltet ein Gewinn-Tippspiel zur Fußball-WM: Mitmachen können die knapp 50.000 Studierenden, Lehrenden und Beschäftigten der Freien Universität sowie die Mitglieder der Ernst-Reuter-Gesellschaft
10.06.2026
Premiere geglückt: Ulrich Schneider (re.) hat das erste campusweite WM-Tippspiel an der Freien Universität ins Leben gerufen, gemeinsam mit Marc Schalberger und einem Team aus weiteren Forschenden und Studierenden wurde ein Prognosetool programmiert.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher
„Ich bin nicht übermäßig fußballbegeistert“, sagt Ulrich Schneider und blickt schmunzelnd auf eine blaue Tasse der New England Patriots, einer Mannschaft der US-amerikanischen National Football League. „Ich mag vor allem American Football, Eishockey und Basketball.“
Die Begeisterung eher für US-typische Sportarten hatte er immer schon, und die wollte er bei einem Studienaufenthalt des Studiengangs-Koordinator am Institut für Volkswirtschaftslehre im Jahr 2015 an der Arizona State University in Tempe erleben. Er wurde nicht enttäuscht von der campusweiten Sportbegeisterung.
Ein solches übergreifendes Sportfieber möchte er nun unter den Mitgliedern und Ehemaligen der Freien Universität entfachen – mithilfe des Fußballspiels. Und zwar zur Fußball-WM der Herren vom 11. Juni bis 19. Juli in Mexiko, Kanada und den USA, die an diesem Donnerstagabend eröffnet wird. „Wir haben zwar keine prominenten Uni-Sportteams, die wie in den USA im Fernsehen gegeneinander antreten“, sagt der gebürtige Rheinland-Pfälzer, der an der Freien Universität promoviert hat. Doch auch die gut fünf Wochen der Fußball-WM könnten die Unigemeinschaft in einem spaßigen Wettstreit zusammenbringen, da ist er sich sicher.
Ulrich Schneider und das Team aus seinen Kollegen Marc Schalberger, Marc Bachmeier und Johann Voigtsberger sowie den Studierenden und Tutoren Yazan Barki Gharbi, Clara Nathan und Tom Hildebrandt haben alles dafür getan, dass die WM auch an der Freien Universität fesselt: Schon 100 Tage vor Beginn entwickelten sie ein umfassendes Prognose- und Simulationstool und eine maßgeschneiderte Version des vor allem zu internationalen Fußball-Turnieren verbreiteten Kicktipp-Spiels für die Freie Universität.
Zahlreiche Sachpreise rund um die Fußball-WM und Artikel aus dem Unishop warten dank Unterstützung der Ernst-Reuter-Gesellschaft auf die erfolgreichsten Teilnehmenden und Teams des Tippspiels, darunter ein Wanderpokal.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Zunächst war das Gewinnspiel ausschließlich für den Fachbereich Wirtschaftswissenschaft geplant. Doch dank der großzügigen Unterstützung der Ernst-Reuter-Gesellschaft der Freunde, Förderer & Ehemaligen der Freien Universität e. V. (ERG) können nun alle knapp 50.000 Angehörigen der Freien Universität und die Mitglieder der ERG daran teilnehmen.
Ein solches Tippspiel für die gesamte Universitätsgemeinschaft hat es noch zu keiner Fußball-WM gegeben. Der Vorsitzende der ERG, der frühere Kanzler der Freien Universität Peter Lange, weiß aus früheren Turnieren, wie groß die Begeisterung für Fußball auf dem Campus während einer Weltmeisterschaft werden kann. „Wir möchten durch unsere finanzielle Unterstützung den Zusammenhalt der Universitätsgemeinschaft gerade bei einem solchen internationalen Sportereignis stärken“, sagt der Borussia-Dortmund-Fan. Denn die 48 Teilnehmernationen, die um die WM-Trophäe spielen, seien zu großen Teilen auch auf dem Campus der Freien Universität vertreten – ob als Studierende, Forschende, Beschäftigte oder Ehemalige.
Peter Lange erinnert sich mit Freude daran, dass bei der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea alle Begegnungen im Audimax der Freien Universität zu sehen waren – und manchmal in weiteren Hörsälen. Ein solches Angebot sei aber schon bei der WM 2006 im eigenen Land wegen des mittlerweile verbreiteten Public Viewings an der Hochschule nicht mehr lohnend gewesen.
Der Clou des Kicktipp-Spiels an der Freien Universität: Jeder und jede spielt zwar für sich und einen Einzelsieg und um einen der Preise. Doch mit Anmeldung und dank eigener Zuordnung werden alle auch Teil mehrerer Teams der Universität: So treten die Teilnehmenden nach der Anmeldung automatisch auch für ihren Fachbereich oder ihr Zentralinstitut, für die Universitätsverwaltung oder für die Ernst-Reuter-Gesellschaft an, sobald die Zuordnungen die Zehn-Personen-Schwelle übersprungen haben. Zugleich finden die Teilnehmenden sich im Team ihrer Statusgruppen wieder: Um die Tabellenspitze ringen also auch Studierende, Professor*innen, wissenschaftliche Beschäftigte, Angestellte für Technik, Service und Verwaltung und Mitglieder der Ernst-Reuter-Gesellschaft.
Dank der Ernst-Reuter-Gesellschaft winken Preise in allen Wertungen: Zu gewinnen sind unter anderem eine Premiumtour durchs Olympiastadion Berlin, originale WM-Bälle, Wunschtrikots und Artikel aus dem UNISHOP der Hochschule, darunter Jacken, Pullover, T-Shirts und Sporttaschen. Ausgezeichnet werden die Plätze 1 bis 20 der Einzelwertung; es gewinnt Platz 1 in jeder Statusgruppe, und prämiiert wird auch die beste von rund 20 Einrichtungen – sofern sich jeweils mindestens zehn Mitspielende bei der Anmeldung gewissermaßen deren Trikot überstreifen. „Noch sind unter den mittlerweile knapp 1300 Teilnehmenden nicht alle Fachbereiche und Zentralinstitute in ausreichender Mindestzahl vertreten“, sagt Ulrich Schneider.
Wer mitmachen möchte, sollte sich beeilen: „Nur bis zum Anpfiff des Eröffnungsspiels zwischen Mexiko und Südafrika am Donnerstag um 21 Uhr können die Bonusfragen beantwortet werden und später Punkte einbringen.“ Welche Nationen gewinnen die Gruppen der Vorrunde? Welche erreichen das Halbfinale? Wer stellt den Spieler mit den meisten Toren? Diese und weitere Fragen können im Verlauf der WM Bonuspunkte einbringen, neben denen für die Tipps in den Einzelbegegnungen.
Ein Lamm und ein dark horse
Alle können das eigene Fußball-Know-how mit statistischen Erkenntnissen aufwerten, die das Statistik-Team um Ulrich Schneider aufbereitet haben. Eine Prognose- und Simulationsseite, die im Rahmen eines Lehrprojekts aus Statistik und Ökonometrie entstanden ist, lässt keine Fragen offen. Wer möchte, kann den Verlauf der gesamtem WM mithilfe von zwei Modellen simulieren und viele Variablen verändern: Aus den frei verfügbaren Ergebnissen und Daten aller seit dem ersten Länderspiel 1872 gespielten Begegnungen entwickelte das Team um Ulrich Schneider ein sogenanntes Elo-basiertes Modell, in dem die Stärke der Teams in einem Wert gemessen und auch während der Meisterschaft aktualisiert wird, und ein Modell nach den Wissenschaftlern Dixon und Coles.
Welchen der drei Futtertröge steuert Rasenmäääherin Tina an? Das Lamm der bedrohten Haustierrasse Rauhwolliges Pommer’sches Landschaf orakelt, ob das DFB-Team gewinnt, verliert oder unentschieden spielt.
Bildquelle: Melanie Hansen
Die über Statistiktool oder Bauchgefühl gewonnenen Einschätzungen für die Tipps können die Teilnehmenden zumindest für die Spiele der DFB-Elf mithilfe eines Orakel-Lamms des Fachbereichs Veterinärmedizin bekräftigen – oder in den Wind schießen: Das Lamm Tina von der bedrohten Haustierrasse Rauhwolliges Pommer’sches Landschaf wählt zwischen drei Futtertrögen, die für „Sieg“, „Unentschieden“ oder „Niederlage“ des DFB-Teams stehen.
Tinas Vorhersagen können auf den Social-Media-Kanälen der Freien Universität Berlin und auf der Webseite verfolgt werden. Das von Samuel Bretzinger betreute Lamm wählte beim morgendlichen Weideaustrieb für das Auftaktspiel Deutschland gegen Curaçao, also den 10. gegen den 82. der Fifa-Weltrangliste, ein deutliches Unentschieden.
Und wen sehen Ulrich Schneider und sein Team am Ende als Weltmeister? Für sie steht nach 100.000 Simulationen ihrer Tools fest: „Die statisch gesehen größten Chancen haben Argentinien mit 14 Prozent, Spanien mit 13,1 und England mit 12,2“, sagt der Wissenschaftler. Die Chancen für einen WM-Sieg Deutschlands lägen bei 5,5 Prozent, möglicherweise ist es aber schon nach dem Achtelfinale vorbei. „Norwegen ist unser dark horse, unser Geheimfavorit. Wir werden sehen!“ Und damit klingt Ulrich Schneider dann doch sehr fußballbegeistert.



