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„Für die Freie Universität und den Wissenschaftsstandort Berlin ist die Konferenz ein Meilenstein“

23. bis 25. März: Grand Challenges Conference der Berlin University Alliance / Interview mit Petra Knaus, FU-Vizepräsidentin und Vorsitzende der Grand Challenges Conference, zur Rolle von Wissenschaft bei der Bewältigung globaler Herausforderungen

16.03.2026

Prof. Dr. Petra Knaus, FU-Vizepräsidentin für Forschung und Transfer sowie Vorsitzende der Grand Challenges Conference

Prof. Dr. Petra Knaus, FU-Vizepräsidentin für Forschung und Transfer sowie Vorsitzende der Grand Challenges Conference
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Wie kann Forschung dazu beitragen, die großen Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen? Mit der Grand Challenges Conference bringt die Berlin University Alliance (BUA) vom 23. bis 25. März 2026 Wissenschaftler*innen aus aller Welt mit Akteur*innen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in Berlin zusammen. Die Berlin University Alliance ist der Verbund aus Freier Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technischer Universität Berlin und Charité – Universitätsmedizin, dessen Weiterförderung im Rahmen der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder am 11. März 2026 verkündet wurde. 

Professorin Petra Knaus ist Vizepräsidentin der Freien Universität Berlin für Forschung und Transfer – und als Chair der Grand Challenges Conference leitet sie gemeinsam mit einem Scientific Conference Committee die wissenschaftliche Ausgestaltung der Veranstaltung. Im campus.leben-Interview spricht sie über die Bedeutung von Zusammenarbeit über Disziplin- und Sektorgrenzen zwischen Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur hinweg. Die Anmeldung zur Teilnahme an der Konferenz ist online möglich.

Worum geht es bei der BUA-Konferenz Grand Challenges?
Die Berlin University Alliance, der Verbund aus Freier Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technischer Universität Berlin und Charité – Universitätsmedizin, versteht sich auch als Knotenpunkt für gesellschaftlich relevante Spitzenforschung. Unter der Überschrift „Joint Research for Better Futures“ treffen vom 23. bis 25. März im Futurium Berlin Wissenschaftler*innen der BUA-Verbundpartner*innen mit Expert*innen verschiedener Disziplinen aus der ganzen Welt zusammen. 

Warum ist das wichtig?
Die großen Herausforderungen und komplexen Krisen unserer Zeit – Klimawandel, globale Gesundheitskrisen oder sozialer Zusammenheit beispielsweise  können nur disziplinenübergreifend gelöst werden und im Austausch mit Politik und Gesellschaft. Ziel ist es, aus der Forschung Lösungen zu entwickeln, die technologisch überzeugend und gesellschaftlich tragfähig sind.

Frau Professorin Knaus, die Grand Challenges Conference der Berlin University Alliance findet 2026 erstmals statt. Wie ist die Idee zu diesem neuen Konferenzformat entstanden – und welche Ziele verfolgen Sie damit?

Von Beginn an war die Idee, die Berlin University Alliance nicht nur als Forschungsverbund, sondern als internationalen Knotenpunkt für gesellschaftlich relevante Spitzenforschung zu etablieren. Daher bringen wir bei der Konferenz unsere Berliner Expertise mit Expert*innen aus aller Welt zusammen.

Wir wollen, dass externe Impulse unsere Berliner Perspektiven herausfordern und umgekehrt. Durch die Öffnung für internationale Teilnehmende stellen wir sicher, dass die in Berlin entwickelten Lösungsansätze zu den großen Herausforderungen unserer Zeit international anschlussfähig sind.

Der Titel der Konferenz lautet „Joint Research for Better Futures“. Welche Botschaft verbinden Sie damit?

Das Motto ist programmatisch. Wir möchten weg von einer rein deskriptiven Problemanalyse und hin zu einer Forschung, die lösungsorientiert und zukunftsgewandt arbeitet. Gleichzeitig bringt der Titel zum Ausdruck, dass Forschung zu globalen Herausforderungen in Berlin nicht als Einzelleistung verstanden wird, sondern als gemeinsamer Kraftakt über Institutionsgrenzen hinweg.

Wir wollen zeigen, dass Wissenschaft nicht nur Risiken benennt, sondern konkrete Wege und Werkzeuge entwickelt, mit denen gesellschaftliche Probleme tatsächlich bewältigt werden können.

   

Die Berlin University Alliance arbeitet seit einigen Jahren mit dem Konzept der „Grand Challenges“. Warum ist dieses aus Ihrer Sicht besonders geeignet, um aktuelle gesellschaftliche Probleme anzugehen?

Mit Grand Challenges sind große, komplexe Herausforderungen unserer Zeit gemeint – wie der Klimawandel oder globale Gesundheitskrisen. Das Konzept, mit dem wir ihnen begegnen, ist genaugenommen missionsgeleitete, inter- und transdisziplinäre Forschung. Der Kern ist die Erkenntnis, dass wir für die ‚Wicked Problems‘ unserer Zeit – also hochkomplexe, miteinander verwobene Krisen – keine Antworten in einzelnen Disziplinen finden.

In der Berlin University Alliance nutzen wir die komplementären Stärken von Freier Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technischer Universität Berlin und Charité – Universitätsmedizin Berlin ergänzt durch Expertisen aus dem nichtakademischen Sektor. Das macht Forschung erkenntnisreicher und vor allem gesellschaftlich wirksamer.

Die Konferenz bringt Akteur*innen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen. Was braucht es, damit solche inter- und transdisziplinären Begegnungen zu neuen Ideen und Kooperationen führen, die echte Impulse für gesellschaftliche Probleme liefern?

Die Konferenz ist so gestaltet, dass sie als Katalysator für neue Ideen und Kooperationen wirken kann. Sie bündelt Expertisen und bietet Raum, um konkrete, sektorübergreifende Fragen zu diskutieren.
    

Entscheidend ist dabei, eine gemeinsame Sprache zwischen wissenschaftlichen Disziplinen, aber auch zwischen Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft zu finden.

   
Deshalb gehen wir bewusst über klassische Frontalformate hinaus. Interaktive Formate wie Workshops, moderierte Diskussionsrunden, gezielte Vernetzungsangebote und künstlerische Impulse schaffen Situationen, in denen Menschen wirklich miteinander in Austausch treten, Perspektiven wechseln und gemeinsam weiterdenken können. So können bestehende Hierarchien und disziplinäre Grenzen aufgebrochen und das Potenzial für neue, tragfähige Kooperationen gehoben werden.

Gemeinsam stärker für die Wissenschaft: die Berlin University Alliance, die die Grand Challenge Conference ausrichtet.

Gemeinsam stärker für die Wissenschaft: die Berlin University Alliance, die die Grand Challenge Conference ausrichtet.
Bildquelle: Berlin University Alliance

Im Mittelpunkt stehen fünf Themenfelder – von Global Health bis Quantum Technologies. Wo sehen Sie derzeit besonders große Chancen für gemeinsame Forschung und Innovation?

Während jedes dieser fünf Themenfelder für sich genommen exzellente Forschung in Berlin beheimatet, entsteht besonders großes Innovationspotenzial an deren Schnittstellen. Zum Beispiel, wenn wir medizinische Forschung mit neuen Technologien verbinden – etwa bei der Simulation komplexer Wirkstoffe oder in der präziseren Diagnostik. Berlin hat hier mit der Charité und den starken naturwissenschaftlichen Instituten der Verbundpartnerinnen eine weltweit einzigartige Position.

In anderen Feldern, wie zum Beispiel dem Klimawandel, geht es nicht mehr nur um die Erhebung von Daten, sondern um die gesellschaftliche Umsetzung. Hier liegt die Chance in der Zusammenarbeit zwischen Naturwissenschaften und den Sozial- und Geisteswissenschaften im Exzellenzverbund, um echte Verhaltensänderungen und politisch relevante Strategien zu entwerfen.

Die größte Chance für Innovation liegt jedoch im gewählten Format „How to address Grand Challenges“. Hier kann die Konferenz Impulse geben, wie komplexe Fragen nicht getrennt nach Disziplinen bearbeitet werden, sondern im Zusammenspiel unterschiedlicher wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Perspektiven. So entstehen Lösungen, die sowohl technologisch überzeugend als auch gesellschaftlich tragfähig sind.

Die Veranstaltung richtet sich besonders auch an Nachwuchswissenschaftler*innen. Welche Chancen eröffnet die Konferenz insbesondere Forschenden der Freien Universität?

Die Konferenz bietet unseren Nachwuchswissenschaftler*innen Gelegenheit, ihre Expertise über die Grenzen der Freien Universität hinaus sichtbar zu machen und sich mit Expert*innen der Verbundpartnerinnen sowie internationalen Forschenden auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Gerade wissenschaftliche Konferenzen sind oft Ausgangspunkt für Vernetzung, von denen Nachwuchsforschende auf ihrem weiteren beruflichen Weg profitieren können.

Die Konferenz fördert zudem den Austausch zwischen Forschenden mit Vertreter*innen verschiedener Interessengruppen außerhalb des Wissenschaftsbetriebs, was insbesondere Nachwuchswissenschaftler*innen hilft, die gesellschaftliche Relevanz ihrer Arbeit zu schärfen.

Sie sind Chair der Konferenz und Vizepräsidentin der Freien Universität. Welche Bedeutung hat die Grand Challenges Conference für die Freie Universität und den Wissenschaftsstandort Berlin insgesamt?

Für die Freie Universität ist die Grand Challenges Conference ein Meilenstein. Sie macht greifbar, was wir als Teil der Berlin University Alliance erreichen können: Wir bündeln unsere Stärken, um drängende gesellschaftliche Fragen zu beantworten, die keine Institution alleine lösen kann. Die Freie Universität Berlin bringt hier ihre ausgewiesene Expertise in den Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften ein, um interdisziplinäre Lösungen etwa zu Global Health oder Social Cohesion voranzutreiben. Für die Freie Universität ist diese Konferenz ein Schaufenster unserer gelebten Interdisziplinarität.
    

Für den Wissenschaftsstandort Berlin insgesamt markiert die Konferenz einen qualitativen Sprung, indem Berlin zum Gastgeber für einen weltweiten Diskurs über Forschung an komplexen Herausforderungen unserer Zeit wird.

    
Das stärkt unsere Attraktivität für internationale Talente und festigt Berlins Ruf als Innovationsmetropole, die globale Verantwortung übernimmt.

Welche neue Dynamik wünschen Sie sich als Ergebnis der Konferenz?

Bereits jetzt zeichnet sich eine hohe Zahl an Konferenzanmeldungen von Teilnehmenden aus 22 verschiedenen Nationen ab. Das zeigt: Mit der Konferenz haben wir einen Nerv getroffen, der international Beachtung findet.

Für den „Tag danach“ wünsche ich mir, dass dieser globale Dialog in Berlin in dauerhafte, weltweite Partnerschaften mündet. Wenn die Konferenz dazu führt, dass neue, mutige Projekte entwickelt werden, die ohne diesen Impuls nie entstanden wären, dann war sie ein voller Erfolg.

Die Fragen stellte Jonas Krumbein