Begegnungen im Himalaya: „Hidden Views from 170 Years Ago“
Eine deutsch-indische Arbeitsgruppe, darunter der emeritierte Geografieprofessor Hermann Kreutzmann von der Freien Universität, hat in mehreren Ausstellungen Bilder der Brüder Schlagintweit aus der Mitte des 19. Jahrhunderts in Indien gezeigt
09.06.2026
Himalaya-Panorama aufgenommen vom Naina-Gipfel in Nainital. Adolph Schlagintweit 29. April 1855. Das „Chinar-Panorama“ war die erste detaillierte Aufnahme einer langen Himalaya-Kette mit der Nanda Devi (7816m) als höchstem und heiligstem Gipfel.
Bildquelle: Alpines Museum München
Alexander von Humboldt war der kosmopolitische Forscher und aufgeklärte Geograf, der Mitte des 19. Jahrhunderts die Münchener Brüder Hermann, Adolf und Robert Schlagintweit, ihres Zeichens Geografen und Geologen, zusammen mit Carl Ritter in der Berliner Schule der Geographie ausbildete und auf eine großangelegte Expedition vorbereitete. Mithilfe freundschaftlicher Beziehungen des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. zu Königin Viktoria wurden die drei Forscher an die britische Ostindiengesellschaft zur landesweiten Erfassung des Magnetismus auf dem indischen Subkontinent vermittelt.
Aus dieser in den Jahren 1855–1857 durchgeführten Unternehmung wurden neben zahllosen Artefakten 750 Aquarelle, Ölgemälde und kolorierte Fotographien zurückgebracht. Mit den damaligen Methoden der Landschaftsdokumentation schufen sie eindrückliche Zeugnisse aus neuen Blickwinkeln und richteten den Blick auf Gletscher, Flüsse, Heiligtümer und das ländliche Leben.
Die Ausstellungseröffnung im India International Centre in Neu-Delhi stieß auf großes Medieninteresse
Bildquelle: Saakshi Bisht
Mehr als die Hälfte der Gemälde ist erhalten. 2015 zeigte das Alpine Museum in München die Ergebniss der Schlagintweit-Expedition in einer umfassenden Ausstellung. Als einziger indischer Gast nahm der Historiker Professor Shekhar Pathak auf Einladung von Professor Hermann Kreutzmann von der Freien Universität an der Eröffnung teil.
Beim gemeinsamen Besuch der Archive des Alpinen Museums und der Staatlichen Gemäldesammlung kam der Wunsch auf, die in Indien entstandenen, dort aber nie gezeigten Zeichnungen und Geländeaufnahmen auch einem indischen Publikum zugänglich zu machen.
In diesem Frühjahr wurde dieser Wunsch Wirklichkeit: Eine auf den Himalaya zugeschnittene Auswahl von 77 Reproduktionen der Gemälde und Zeichnungen war in drei Ausstellungen zu sehen: im India International Centre in New Delhi, in der Doon Library & Research Centre in Dehradun und im CRST College in Nainital. Aus der Himalaya-Region stammten wichtige Helfer und Begleiter der Schlagintweit-Brüder, deren Biografien dort bekannt sind. Die außerordentlich hohe Resonanz spiegelte sich in den Besucherzahlen, Presse- und Medienberichten wider und weckte den Ruf nach weiteren Kooperationen.
Historiker Professor Shekhar Pathak (People’s Association for Himalayan Area Research), Vibhuti Sukhramani (Leiterin FU-Verbindungsbüro Neu-Delhi) und Humangeograf Professor Hermann Kreutzmann (Freie Universität Berlin)
Bildquelle: Saakshi Bisht
Der Katalog zur Ausstellung ist auf der PAHAR-Website abrufbar.
Mäandrierendes Tal des Brahmaputra
Das beeindruckende Panorama des Brahmaputra-Beckens zeigt die vielfältigen Nebenarme und die großen Inseln (char), auf den größeren wird unter anderem Jute angebaut.
Tal des Brahmaputra bei Tezpur in Assam. Hermann Schlagintweit, 24. Januar 1856
Bildquelle: Alpines Museum München
Buddhistische Klosteranlage Lamayuru
Als eine der ältesten Klosteranlagen Ladakhs ist Lamyuru in einer ariden Hochgebirgswüste oberhalb 3500m lokalisiert, wo karger Anbau nur mit Bewässerung möglich ist. Hermann Schlagintweit tauschte sich mit den Mönchen über Niederschlagsverhältnisse und Lebensbedingungen vor Ort aus.
Kloster Lamayuru in Ladakh. Hermann Schlagintweit, 6. Oktober 1856
Bildquelle: Alpines Museum München
Bambus-Brückenkonstruktion in den Khasi-Bergen
Die Expeditionsmitglieder nahmen eine Vielzahl von spektakulären Brückenkonstruktionen auf, die die Verwendung lokaler Materialien dokumentierten.
Bogapani-Brücke in den Khasi-Bergen westlich der Hauptstadt Meghalayas Shillong. Hermann Schlagintweit 10. November 1855
Bildquelle: Alpines Museum München
Buddhistisches Kloster Tholing
Während seines kurzen Aufenthaltes in Tibet zeichnete Adolph Schlagintweit eine der wichtigsten Klostersiedlung in West-Tibet, dem früheren Königreich Guge. Es ist eine der frühesten Zeichnungen einer während der Chinesischen Kulturrevolution zerstörten Klostersiedlung.







