„Eine Universität lebt von ihren Menschen, ihren Ideen und ihren Entwicklungen“
„Die Universitätsgemeinschaft zusammenführen“: Interview mit Universitätspräsident Günter M. Ziegler über den neuen Jahresempfang „Frühlingsimpulse“
17.03.2026
Der Mathematiker Professor Dr. Dr. h.c. Günter M. Ziegler ist Präsident der Freien Universität Berlin.
Bildquelle: David Ausserhofer
Frühlingsgefühle, Frühjahrsputz – nach dem Winter kennen viele den Wunsch, mit frischer Energie loszulegen. Auch Veranstaltungsformate unterliegen Veränderungen, brauchen von Zeit zu Zeit eine Renovierung. Mit den „Frühlingsimpulsen“ findet am 15. April 2026 um 17 Uhr zum ersten Mal an der Freien Universität Berlin ein Jahresempfang statt, eingeladen ist die Universitätsgemeinschaft, insbesondere Studierende, Forschende, Lehrende und Mitarbeitende; auch Alumni, Freund*innen und Förderer der Freien Universität sind herzlich willkommen. „Eine Universität ist immer im Werden“, sagt Universitätspräsident Professor Günter M. Ziegler im campus.leben-Interview über das neue Format.
„Frühlingsimpulse“ – herzlich willkommen!Das neue Veranstaltungsformat „Frühlingsimpulse“ verbindet den bisher jährlich gefeierten Ernst-Reuter-Tag, mit dem die Universitätsgründung vom 4. Dezember 1948 begangen wurde, und den Neuberufenen-Empfang im Januar. Der Jahresempfang, künftig immer zu Beginn des Sommersemesters, will ein Forum für die Universitätsgemeinschaft sein und zum Austausch einladen. „Frühlingsimpulse“ greift zudem wichtige Themen und Forschungsfelder der Freien Universität auf. In diesem Jahr schließt sich eine Leibniz Lecture an: Barbara Vetter, Philosophieprofessorin an der Freien Universität Berlin und diesjährige Leibniz-Preisträgerin, spricht über das Thema „Möglichkeiten denken“.
Zeit und Ort
15. April 2026, 17 Uhr
Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin (Foyer), Garystraße 35, 14195 Berlin
Zum Programm
Zur Anmeldung „Frühlingsimpulse“
Aufbruch, Erneuerung, Entwicklung - all das symbolisieren die Frühlingsimpulse
Bildquelle: Gestaltung: Karen Olze
Herr Professor Ziegler, die Freie Universität Berlin begründet mit den „Frühlingsimpulsen“ ein neues Veranstaltungsformat. Was erwartet uns da?
Eine Universität lebt von ihren Menschen, ihren Ideen und ihren Entwicklungen. Die Frühlingsimpulse bieten einen Rahmen, in dem genau diese Dynamik sichtbar wird: Wir begrüßen neue Kolleg*innen, würdigen herausragende wissenschaftliche Leistungen und greifen zentrale Zukunftsthemen der Universität auf.
Mit der Veranstaltung schaffen wir ein gemeinsames Forum zu Beginn des Sommersemesters für Begegnung, Austausch und Orientierung.
„Frühlingsimpulse“ wirkt sehr offen. Was verbindet sich mit dem Namen?
Der Titel beschreibt sehr gut, worum es uns geht: Frühling steht sinnbildlich für Aufbruch, Erneuerung und Entwicklung – Begriffe, die auch gut zu unserer Universität passen.
Impulse wiederum sind maßgeblich für wissenschaftliche Arbeit: Sie können einerseits die Quelle wissenschaftlichen Arbeitens sein, andererseits produziert die Wissenschaft natürlich selbst unendlich viele neue Gedanken, neue Perspektiven, neue Verbindungen. Die „Frühlingsimpulse“ sind daher kein Festakt im klassischen Sinne, sondern ein Rahmen für Begegnung und Austausch und ein Format, das Bewegung, Dialog und intellektuelle Lebendigkeit betont.
Bisher hatte der Ernst-Reuter-Tag zum Gründungsjubiläum eine solche Funktion.
Der Ernst-Reuter-Tag war über viele Jahre ein wichtiger Bestandteil der universitären Festkultur und war schon immer mehr als die Geburtstagsfeier der Universität: In den Veranstaltungen wurden wissenschaftliche Exzellenz gewürdigt, herausragende Dissertationen sichtbar gemacht und die Verbindung zu unseren Alumni gepflegt.
Darüber hinaus ist es der Universität immer wieder gelungen, hochkarätige Persönlichkeiten für Festvorträge zu gewinnen. Diese Vorträge haben die intellektuelle Strahlkraft der Veranstaltung geprägt und der Universität wertvolle Impulse gegeben. In diesem Sinne hat der Ernst-Reuter-Tag über viele Jahre eine wichtige Funktion erfüllt.
Warum entscheidet sich die Universität dennoch für eine Neuausrichtung?
Institutionelle Formate müssen auf sich verändernde Erwartungen reagieren. Was wollen wir anbieten und wozu können wir einladen, wenn wir wollen, dass eine Veranstaltung die Universitätsgemeinschaft zusammenführt? Und welcher Termin ist dafür der richtige?
Die Resonanz auf den Ernst-Reuter-Tag als klassische universitäre Festveranstaltung hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verändert – sowohl hinsichtlich der Teilnahme als auch in der Wahrnehmung innerhalb der Universität. Wir haben das analysiert, viele Menschen befragt und festgestellt, dass nicht zuletzt ein Datum am Jahresende ungünstig ist.
Aber auch das klassische Frontalformat erscheint uns für das Ziel des Austauschs und der Vernetzung nicht ideal – dafür braucht es Raum und Bewegung. Mit den Frühlingsimpulsen greifen wir genau diese Idee auf – in einem Format, das stärker an den heutigen universitären Alltag und die Dynamik unserer Gemeinschaft anschließt. Wir entwickeln unsere Tradition zeitgemäß weiter.
Einen großen, formalen Jubiläumsfestakt kann es prinzipiell auch weiterhin geben – zum Beispiel jeweils zu den runden Geburtstagen der Universität oder in Fünfjahresabständen – hierzu sind wir derzeit noch im Austausch.
Welche inhaltlichen Akzente wollen Sie mit den Frühlingsimpulsen setzen?
Im Mittelpunkt stehen Themen und Entwicklungen, die die Freie Universität prägen und die die Universität und ihre Mitglieder aktiv voranbringen. Dazu gehören die Begrüßung von Neuberufenen und neuen Kolleg*innen insgesamt ebenso wie die Würdigung herausragender wissenschaftlicher Leistungen.
Zugleich greifen wir zentrale strategische Felder der Universität auf – in diesem Jahr etwa unsere Nachhaltigkeitsziele und die Weiterentwicklung unserer Zukunftsfelder in der Forschung. Die Frühlingsimpulse verbinden damit institutionelle Orientierung mit wissenschaftlicher Perspektive.
Mit der Leibniz Lecture von Philosophieprofessorin Barbara Vetter erhält die Veranstaltung eine besondere wissenschaftliche Note. Welche Bedeutung hat dieser Programmpunkt?
Die Leibniz Lecture soll die wissenschaftliche Exzellenz unserer Universität zeigen und erlebbar machen. Barbara Vetter, Philosophieprofessorin an der Freien Universität und diesjährige Leibniz-Preisträgerin, spricht zum Thema „Möglichkeiten denken“.
Gerade im Kontext der „Frühlingsimpulse“ ist dieser Programmpunkt stimmig: Wissenschaftliche Leistungen werden nicht isoliert gewürdigt, sondern in einen größeren universitären Zusammenhang gestellt. Und natürlich fügt sich die Lecture 2026 mit Frau Vetter als diesjähriger Leibniz-Preisträgerin besonders gut ein.
Was wünschen Sie sich für das neue Format?
Ich wünsche mir zuallererst, dass alle am 15. April zu den Frühlingsimpulsen in den Henry-Ford-Bau kommen und dass die neue Veranstaltung als selbstverständlicher gemeinsamer Moment der Freien Universität wahrgenommen wird – und als Ort der Begegnung, der Würdigung und der intellektuellen Anregung.
Eine Universität ist niemals statisch. Sie ist immer im Werden. Die Frühlingsimpulse sollen genau das erfahrbar machen.
Die Fragen stellte Karin Bauer-Leppin


